07.03.2026 - Messebeteiligungen unter interkulturellen Bedingungen – Teil 2: Japan
Wie bereits im 1. Teil zum Thema interkultureller Herausforderungen bei Messebeteiligungen gesagt, finden Messebeteiligungen immer vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller Ausprägungen und interkultureller Herausforderungen statt. Das beginnt schon in der Planung und setzt sich bei der Umsetzung und Durchführung der Messeteilnahme vom Besucherdialog über die Geschäftsverhandlung bis hin zur Messenachbereitung fort. Im 1. Teil haben wir die wichtigsten Aspekte für Messebeteiligungen in der Volksrepublik China bzw. für die Begegnung mit chinesischen Besuchern / Interessenten / Kunden bei Messeauftritten dargestellt, heute folgt in Teil 2 Japan.
Teil 2: Japan
Ganz ähnlich wie für China / Chinesen beschrieben, sind in Japen / bei Japanern die Kulturelemente Ehre, Höflichkeit, Respekt gegenüber Mitmenschen und Autoritäten, Gesichtsverlust, Beziehung/Vertrauen, Gastlichkeit, weitgehende Vermeidung von Körperkontakt (–> Begrüßung durch Verbeugung statt Handgeben), Senioritätsprinzip, hohe Bedeutung und Wertschätzung von Tradition und Marken (inkl. hoher Preisbereitschaft für Markenprodukte), Gestik, Mimik und Körpersprache, kontextbezogene, metaphorische, indirekte Kommunikation und der Usus von Gastgeschenken ausgeprägt.
Die ebenfalls (noch) maskuline Kultur ist geringer ausgeprägt als in China, Kollektivismus und tradierte Orientierungen aber deutlich stärker als in China / bei Chinesen (die mitunter sehr ich-bezogen sind). Das Wohl einer für einen Japaner relevanten Bezugsgruppe (Volk, Unternehmen, Team, Familie) geht vor Individualinteresse.
Japaner sind stolz auf ihre Tradition und Kultur, der man immer mit Achtung begegnen sollte. Langzeitorientierung und Risikovermeidung sind Prämissen. Entscheidungen werden zudem vordringlich in der Gruppe getroffen. Direktes Neinsagen erfolgt i.d.R. nicht, stattdessen signalisiert Schweigen Ablehnung. Starke Emotionen zeigt man, ebenso wie heftiges, offenes Lachen nicht, dieses verbirgt man mit dem Mund vorgehaltener Hand. Langes und lautes Telefonieren oder offenes Naseputzen in der Öffentlichkeit (–> Messestand!) wird in Japan als ungehörig angesehen. Ebenfalls verpönt ist es, im öffentlichen Raum zu essen / zu trinken und private Angelegenheiten zu besprechen. Es ist generell Rücksichtnahme geboten, man steht geduldig Schlange (im Gegensatz zu China, wo durchaus heftig gedrängelt und geschubst wird –> Ich-Orientierung). Sauberkeit, Hygiene und Ordnung sind grundsätzlich hohe Werte.
Absolut populär / üblich ist es in Japan, nach dem Arbeitstag in der Gruppe (inkl. Gäste / Geschäftsbesucher) in ein Lokal zu gehen. Sehr beliebt ist Karaoke, wovor man sich nicht ausschließen sollte, egal wie schlecht man singen kann. Es gehört dazu, wie auch gerne reichlich dem Alkohol zugesprochen wird, wobei von (ausländischen) Gästen das Einbringen von Trinksprüchen erwartet wird (–> vorbereiten!). Trinkgelder in Restaurants / Bars sind unüblich, werden evtl. sogar als Beleidigung empfunden.
Private Einladungen sind die Ausnahme und wenn doch, dann sind Wohnungen nie mit Schuhen zu betreten (Sauberkeit, Hygiene –> Messestand!). Aufzupassen ist bei Essenseinladungen: man steckt niemals seine Essstäbchen senkrecht in den Reis (das ist eine Tradition bei japanischen Beerdigungen!). Auch zeigt man mit den Stäbchen nicht auf andere Personen und wedelt damit nicht herum, wie es in einem Gespräch leicht passieren kann. Anders als in China sind die Teller leer zu essen, Reste übrigzulassen, ist als Verschwendung verpönt. In Gesprächen ist auch darauf zu achten, mit dem Finger nicht auf Personen oder Gegenstände (–> Exponate) zu zeigen. Stattdessen verweist man sanft mit der ganzen Hand und der Handfläche nach unten auf etwas. Auf sich selbst zeigt man, indem man dezent auf seine Nase zeigt.
Pünktlichkeit bei Terminen ist ein Muss, eher schon Überpünktlichkeit! Man kommt zu Verabredungen und Terminen eher immer mindestens 10 Minuten zu früh. Das deutsche „akademisches Viertel“ ist in der japanischen Kultur ein absolutes No-Go. Verspätet man sich auch nur ein wenig, ist dem Wartenden unbedingt Bescheid zu geben (–> Gesprächstermine mit Standbesuchern!). Kommt es dennoch zu einer Verspätung, entschuldigt man sich glaubhaft aufrichtig, ohne weitschweifende Erklärung – diese würde als Ausrede interpretiert werden.
